Joachim Heinrich Rothsprach (1903 - 1990) – Ein bedeutender Sohn der Stadt Stralsund
Ein Beitrag von Friederike Rothsprach
Joachim Heinrich Rothsprach erblickte am 22. Juli 1903 in Stralsund das Licht der Welt. Er wuchs in einem Elternhaus auf, das tief im Bildungswesen der Region verwurzelt war: Sein Vater wirkte als Konrektor an der Frankenvorstadtschule, seine Mutter Maria Magdalena war als Lehrerin tätig.
Die familiären Wurzeln reichten zudem bis nach Rügen, wo sein Großvater, Joachim Heinrich Ferdinand Rothsprach, als Fischer lebte. Diese enge Bindung zur Heimat prägte auch Joachims Schwester Anneliese, die später als Hilfsschullehrerin arbeitete und zeitlebens an seiner Seite blieb.
Nach dem Besuch des traditionsreichen Sundischen Gymnasiums in Stralsund schlug Rothsprach die Beamtenlaufbahn ein und begann seine berufiche Karriere als Kreissekretär. Obwohl er in dieser Zeit in Bergen auf Rügen lebte und arbeitete, riss der Kontakt in die Heimatstadt nie ab; er blieb seiner Familie und Stralsund stets eng verbunden.
Der Zweite Weltkrieg bedeutete auch für Rothsprach einen tiefen Einschnitt, als er zum Kriegsdienst eingezogen wurde.
Nach dem Zusammenbruch des Regimes folgte im Jahr 1946 die entscheidende Wende seines Lebens: Hinrich Wilhelm Kopf, der damalige Ministerpräsident des neu gegründeten Landes Hannover (und spätere Ministerpräsident Niedersachsens), berief Rothsprach aus seiner damaligen Wirkungsstätte bei der Bezirksregierung Stade. Die monumentale Aufgabe: Als Landtagsdirektor sollte er den Aufbau des neuen Parlaments maßgeblich gestalten und die Verwaltung des Landtags aus dem Nichts aufbauen.
Die Anfänge waren provisorisch – die erste Heimat des Parlaments war ein umgebauter Tanzsaal in der Stadthalle Hannover. Unter Rothsprachs Organisation entwickelte sich der parlamentarische Betrieb rasant, bis der Niedersächsische Landtag schließlich in das wiederaufgebaute Leineschloss umziehen konnte. Seine Erfahrungen und sein Verständnis von parlamentarischer Arbeit hielt er 1957 in dem wegweisenden Buch „So arbeitet unser Landtag“ fest.
Auch privat fand die Familie in der Ferne wieder zusammen. Joachim Heinrich Rothsprach holte seine Ehefrau Charlotte sowie seine Schwester Anneliese nach Hannover, wo das Ehepaar die kleine Tochter Sabine Susanne im neuen Lebensumfeld großzogen.
Für seine herausragenden Verdienste um den Aufbau der demokratischen Institutionen der Bundesrepublik wurde Rothsprach im Jahr 1967 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im selben Jahr schied er mit 64 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus dem öffentlichen Dienst aus.
Am 3. Juli 1990 verstarb Joachim Heinrich Rothsprach in Hannover.
Während sein bleibendes Denkmal im niedersächsischen Parlamentarismus verankert ist, vergaß er selbst nie seine Herkunft. Für seine Nachkommen bleibt er ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein Stralsunder Sohn mit Fleiß, Pflichtbewusstsein und demokratischem Geist die Nachkriegsgeschichte Deutschlands mitgeprägt hat.
