Der Straßenname Franzenshöhe geht auf einen Franz zurück
Ein Beitrag von Dr. Andreas Neumerkel
Franzenshöhe ist eine kurze Straße mit Verbindungscharakter in der Stralsunder Frankenvorstadt. Hier steht die sogenannte Fabrikantenvilla, das Wohnhaus des Besitzers der einstigen Kalkbrennerei. Ebenso findet man unter dieser Adresse die JVA Stralsund. Warum und wann bekam die Straße den Namen Franzenshöhe?
Man sollte meinen, dass in dieser Angelegenheit ein Franz seine Hände im Spiel hatte. Und das stimmt. Am 5. Mai 1837 reichte der Regierungssekretär Karsten im Namen seines ältesten Sohnes ein Gesuch bei der Stadt ein. Er bat um die „Erlaubnis zur Anlage einer Steingutfabrik in Verbindung mit einer Ziegelei und Kalkbrennerei“. Sein Sohn, so führte der Regierungssekretär aus, vollzog eine Lehre bei Tobias Feilner, Töpfermeister und Fabrikant von Tonwaren in Berlin. Anschließend arbeitete er in der Werkstatt von Johann Gottfried Schadow und in der Königlichen Porzellanmanufaktur. Zurzeit halte er sich in Stockholm auf und könne deshalb nicht selbst dieses Gesuch stellen. Als Platz für die Steingutfabrik habe man die Frankenweide nahe des Schießplatzes auserkoren. Der Rat der Stadt genehmigte das Vorhaben von Franz Karsten. So entstand im Jahr 1837 in der Frankenvorstadt in der Nähe des Strandes eine Steingutfabrik, Ziegelei und Kalkbrennerei.
Anfang August 1838 bat der Kaufmann und Fabrikant Franz Karsten um die Erlaubnis, „seinem Etablissement den Namen Franzberg geben zu dürfen“.
„Es ist bekanntlich“, so schrieb er, „von mir eine Ziegelei und Fayencenfabrike auf städtischen Territorio in der Frankenvorstadt angelegt worden. Dieses Etablissement wünsche ich gerne, dass es einen Namen erhielte in dem einestheils meine Correspondenz solches nothwendig macht, anderntheils es zu weit von Stralsund entfernt liegt um damit in Verbindung zu stehen, ich auch schonmehrmals in Stralsund gesucht bin, mich aber Niemand kannte oder kennen wollte, weil die Entfernung eine Besorgung zu übernehmen zu viel war. Alles dieses wird durch die Post abgeholfen, wenn mein Etablissement nahmhaft gemacht und Briefe usw. an mich in meiner Nähe abgegeben werden können. Ich erlaube mir daher Einen Wohlgeboren Rath gehorsamst zu bitten hochgeneigtest zu gestatten, dass mein gedachtes Etablissement den Namen Franzberg erhalte.“
Der Rat stimmte dem zu, jedoch müssen Bedenken aufgekommen sein. Eventuell könnte man Franzberg mit Franzburg verwechseln. So wurde aus Franzberg kurzer Hand Franzenshöh. Die Regierung stimmte dieser Namensgebung zu.
Unter „Vermischte Nachrichten“ erschien im „Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Stralsund“ vom 24. Oktober 1838 folgende Mitteilung: „Zwischen hiesigem Orte und Andershof, am Strande, ist ein neues Etablissement eingerichtet und diesem der Name Franzenshöh beigelegt worden. Stralsund, den 17. Oktober 1838.“
